Einbinden statt abhängen

Digitalisierung geht oft an Senioren vorbei

Bonn, 14.12.17 Senioren könnten von der Digitalisierung in hohem Maße profitieren. Doch mit den Innovationszyklen neuer Technologien Schritt zu halten, ist nicht einfach – schon gar nicht für die ältere Generation, deren Jugend und Berufsleben vornehmlich im analogen Zeitalter stattgefunden haben. Jetzt kommt es darauf an, auch die Ungeübten unter ihnen besser einzubinden.

Die Digitalisierung krempelt unser Leben um – auch das von Senioren. Ob sie wollen oder nicht, müssen auch Ältere zunehmend mit der Digitalisierung zurechtkommen, sei es im Auto oder bei Bankgeschäften. Trotz mancher Skepsis sind viele Senioren neugierig auf die Chancen, die neue Technologien bieten. Große Akzeptanz genießen technische Assistenzsysteme, die das eigene Zuhause sicherer machen und das längere Wohnen in den eigenen vier Wänden ermöglichen. Viele Senioren installieren bereits Hausnotrufsysteme; 83 Prozent der Bürger können sich vorstellen, zuhause einen Service-Roboter zu benutzen (1). Verbesserungspotenzial besteht dort, wo Senioren selbst Kompetenzen erwerben müssen, um von den Vorteilen der Digitalisierung zu profitieren: bei der Kommunikation. Denn die Vorteile liegen auf der Hand. Es macht Spaß, mit Kindern, Enkeln oder Freunden schnell und unkompliziert zu kommunizieren, Termine abzusprechen und Fotos auszutauschen. Wer nicht mehr gut zu Fuß ist, kann vom Onlineshopping profitieren. Für Ältere, die in einer strukturschwachen Gegend leben und vom zunehmenden Ärztemangel betroffen sind, könnten Videosprechstunden ein Segen sein. Doch längst nicht alle Senioren sind mit den modernen Medien vertraut; nur gut jeder Dritte (36 Prozent) der über 70-Jährigen nutzt das Internet (2). Das fängt schon beim Kauf der entsprechenden Geräte an: Für ein ausführliches Beratungsgespräch auf Augenhöhe, in dem auch einfache Fragen erlaubt sind, fehlt oft die Zeit, vielleicht auch das Verständnis. Spezielle Betreuungspoints extra für ältere Kunden könnten das ändern, schlägt Karl-Ludwig Dilfer, ehemaliger Geschäftsführer Vertrieb Vodafone Deutschland, vor: „Es sollten Zeitfenster eingerichtet werden, in denen sich die Verkäufer mehr Zeit nehmen können – etwa am Vormittag, wenn die Geschäfte weniger stark frequentiert sind.“ Auch kommt es darauf an, Produkte so zu gestalten, dass sie für die ältere Zielgruppe leichter zu handhaben sind. Bislang sind es vor allem Kinder und Enkel, die die Brücke zwischen der älteren Generation und modernen Technologien schlagen. Doch nicht jeder ist in die entsprechenden familiären Strukturen eingebunden. Seniorentreffs erfüllen hier eine wichtige Funktion, stellt Dilfer fest: „Organisatoren solcher Treffs sollten das Thema mobile Kommunikation immer wieder aufs Programm setzen. Der Bedarf ist da.“

(1) Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung anlässlich der Hannover-Messe 2016

(2) D21-Digital-Index 2016: Die Studie liefert seit 2013 jährlich ein umfassendes Lagebild zum Digitalisierungsgrad der Gesellschaft in Deutschland, http://initiatived21.de/publikationen/d21-digital-index-2016/