Allmählich ein anderer

Alzheimer verändert auch die Persönlichkeit

Bonn, 17.09.12 Wenn ein selbstbewusster, ausgeglichener Mensch im höheren Lebensalter auffallend launisch, gleichgültig oder streitbar wird, kann das alle möglichen Ursachen haben. Eine davon ist eine beginnende Alzheimer-Demenz. Die Alzheimererkrankung beginnt schleichend. Im frühen Stadium bemerken oftmals nur die Betroffenen selbst, dass mit ihnen etwas nicht stimmt: Sie vergessen die Namen ihrer Nachbarn, verlegen den Wohnungsschlüssel oder haben Schwierigkeiten, Wechselgeld nachzuzählen. Angehörige nehmen diese kleineren geistigen Defizite nicht immer wahr.

Daher sollten sie aufmerksam werden, wenn sich ein älteres Familienmitglied in seinem Wesen verändert. „Vor allem im frühen Stadium der Erkrankung schämen sich viele Alzheimerkranke ihrer Unzulänglichkeit und versuchen, sie vor anderen zu verbergen. Darum verhalten sie sich in den Augen ihrer Angehörigen oftmals merkwürdig", so Professor Giso Deussen, Vorsitzender der Deutschen Seniorenliga e.V.

Notiert: Milch - Kühlschrank

Um ihre nachlassende Hirnleistung zu vertuschen, behelfen sich viele Menschen im Frühstadium der Erkrankung mit Notizen. Bei Personen, die schon immer mit Merklisten gearbeitet haben, fällt das zunächst nicht auf. Bedenklich wird es aber, wenn Selbstverständlichkeiten notiert werden, wie beispielsweise „Milch: Kühlschrank". Zieht sich ein Familienmitglied mehr und mehr zurück, kann das ebenfalls ein Warnsignal sein: Alzheimerkranken fällt es mit der Zeit immer schwerer, die richtigen Worte zu finden. Wer früher unterhaltsame Anekdoten zum Besten geben konnte, sitzt nun scheinbar teilnahmslos dabei oder flüchtet sich in Worthülsen. Viele Betroffene beginnen irgendwann, Schwerhörigkeit oder Unwohlsein vorzutäuschen, anstatt sich durch unpassende Antworten zu blamieren. „Das Gefühl, die Kontrolle über das eigene Denken und Handeln zu verlieren, ist frustrierend und macht Angst", erklärt Deussen. „So ist es kein Wunder, dass selbst ein ausgeglichener Charakter unwirsch oder aggressiv reagiert, wenn er immer wieder mit seiner Unzulänglichkeit konfrontiert wird."

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Die frühzeitige Diagnose der Alzheimererkrankung ist zwar zunächst ein Schock, bietet aber entscheidende Vorteile, weiß Deussen: „Angehörige können das veränderte Verhalten der betroffenen Person besser einordnen und feinfühliger reagieren." Außerdem sind die Behandlungschancen im frühen Krankheitsstadium am besten. Heilung gibt es zwar nach dem heutigen Forschungsstand noch nicht. Eine Therapie mit speziellen Alzheimermedikamenten kann aber das Fortschreiten der Erkrankung verzögern und die Symptome gezielt lindern. „Wenn das Gedächtnis nicht so schnell abbaut und alltägliche Bewegungsabläufe besser klappen, sind die Patienten meist zufriedener. So manch unliebsames Verhalten verschwindet dann von allein", bemerkt Deussen.

Über Symptome, Diagnostik und Behandlung der Alzheimererkrankung informiert der Leitfaden „Alzheimer erkennen". Er ist kostenlos und kann postalisch, im Internet oder telefonisch bestellt werden: Deutsche Seniorenliga e.V., Heilsbachstraße 32 in 53123 Bonn, www.dsl-alzheimer.de. Bestell-Hotline 01805 – 001 905 (0,14 Euro/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise abweichend).